Neubau einer multifunktionalen Kongress- und Ausstellungshalle
Bauherr: Koelnmesse GmbH
1. Preis, dreiphasiger Wettbewerb „Koelnmesse 3.0“ 2015/2016
Fertigstellung 2024
Anerkennung beim nrw.landschaftsarchitektur.preis 2026 für die Begrünung der Confex Plaza, Umsetzung in Zusammenarbeit mit Lill + Sparla
Fotos: HG Esch, Franco Casaccia, Koelnmesse
Die Koelnmesse am Deutzer Rheinufer ist seit über 100 Jahren ein prägender Teil der Stadt – in wirtschaftlicher und architektonischer Hinsicht. Die fußläufige Durchlässigkeit der einzelnen Bausteine, Blickachsen und begrünte räumlichen Aufweitungen erzeugen mit stadträumliche Qualitäten eine Art Filter zwischen der großmaßstäblichen Struktur der Messe und den kleinteiligen Deutzer Veedeln. Ausgehend von rund 300.000 qm Fläche in elf zusammenhängenden Hallen stieß die Messegesellschaft 2015 mit dem Masterplan Koelnmesse 3.0 das umfangreichste Investitionsprogramm in der Geschichte des Unternehmens an. Darauf folgte ein Hochbauwettbewerb für die Halle 1, das Confex und den Ost-West-Terminals. JSWD erhielt den ersten Preis und den Planungsauftrag.
Die Neubauten arrondieren die Westflanke des Geländes und verleihen ihm damit auf der den historischen Messehallen und dem Rheinpark zugewandten Seite eine ansprechende Ansicht. Die starke vertikale Gliederung der ziegelroten Bestandsfassaden mit Stützen, Lisenen und stehenden Fensterformaten findet sich in den von JSWD entworfenen Gebäudehüllen wieder - hier jedoch in einer zeitgemäßen Interpretation leichter, filigraner und mit weißen Oberflächen. Die aufgeständerten Baukörper von Halle 1 und Confex (Fertigstellung 2020 und 2024) sind so dimensioniert, dass sie sich in das streng orthogonale Raster des Messeplans einfügen, die Flucht der bestehenden Gebäudekanten aufnehmen und das komplexe Gefüge räumlich schlüssig fortschreiben.
Vom ICE-Bahnhof kommend werden die Besucher*innen über eine breite Treppenanlage auf die Höhe der „Confex Plaza“ geführt. Die in der Tiefe gestaffelte Fassade des Neubaus mit seiner 27 m hohe Arkade ist offener Empfangsraum und leitet über in das gebäudehohe Hauptfoyer. Von hier schweift der Blick über den Rhein zum Dom. Außen ist über die gesamte Breite ein transluzenter LED Screen angeordnet, auf dem Bilder und Botschaften zu den aktuellen Veranstaltungen inszeniert werden können.
Der Name des Gebäudes steht für die Nutzungsmöglichkeiten als Messehalle, Eventlocation und Kongresszentrum. Es ist ein neuer Typus einer hochfunktionalen Messehalle mit repräsentativem Erscheinungsbild. Während die Kopfseite sich zur Stadt hin maßvoll öffnet, scheint sich das Haus in der Tiefe wieder zu verdichten. Analog zur Geschossigkeit ist die weiße Fassade horizontal gedrittelt, schmale Öffnungen, Fenster oder Lüftung, stehen in der von den Lisenen vorgegebenen Taktung und bilden die Konferenzbereiche ab.
Rolltreppen führen die Besucher*innen aus dem integrativ bespielbaren Foyer in die beiden über der Eingangsebene liegenden Konferenzetagen. Die 27 bis 205 qm großen Tagungs- und Besprechungsräume sind teilweise koppelbar und liegen direkt an der Fassade. Das Tageslicht trägt zur angenehmen Aufenthaltsqualität bei, die Lage macht eine Entkopplung vom Betrieb der großen Halle möglich.
Das Herzstück, die sog. Confexhall, liegt ummantelt von den weiteren Funktionen geschützt in seinem Inneren. Sie kann über jedes der drei anliegenden Foyers erschlossen werden, die Anlieferung erfolgt über die Logistikebene an der internen Ostflanke. Der stützenfreie 4.800 qm große Raum hat eine lichten Höhe von 12,20 m und Kapazität für 4.300 Personen und bietet damit maximale Gestaltungsfreiheit. Mit mobilen Wänden ist die Halle dreifach teilbar, jeder Teilereich kann separat genutzt und erschlossen werden. Die Sicht auf die gewaltigen Strahlträger kaschiert ein Gitterrost.
Das Confex wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit Platin zertifiziert. Unter anderem trägt eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hallendach zur fossilfreien Energieversorgung bei.
Hier sind die Raumkapazitäten des Confex auf der Homepage von Koelncongress im Detail zu sehen.